Die Österreichische Gesundheitsbefragung 2019 (ATHIS)

Warum führt Statistik Austria eine Gesundheitsbefragung durch?

Eine wichtige Grundlage für die Gesundheitsberichterstattung und eine zielgerichtete Gesundheitspolitik sind statistische Informationen über den Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten sowie die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung.

Diese Informationen sind nicht in den regelmäßig erstellten Statistiken (wie z.B. Todesursachenstatistik oder Spitalsentlassungsstatistik) zu finden. Daher bilden Gesundheitsbefragungen eine unverzichtbare Quelle für die Gesundheitsberichterstattung. Bei wiederholter Durchführung zeichnen Gesundheitsbefragungen Trends zum Gesundheitszustand und in der Gesundheitsversorgung der österreichischen Bevölkerung auf. Diese Ergebnisse ermöglichen die Ableitung zielgerichteter Präventionsprogramme und die Bewertung der Auswirkungen gesundheitspolitischer Maßnahmen und damit alles in allem eine wirksame Gesundheitspolitik.

Übrigens: HIS steht für Health Interview Survey, den international üblichen Begriff für repräsentative und umfassende Befragungen zum Thema „Gesundheit“.

Welche rechtliche Basis hat die Gesundheitsbefragung?

Die Gesundheitsbefragung ist durch Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates (EG. Nr. 1338/2008; PDF, 175KB sowie 255/2018; PDF, 620KB) geregelt. Die Republik Österreich ist daher verpflichtet, Informationen zu Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten und zur gesundheitlichen Versorgung der Österreicher und Österreicherinnen zu erheben und zu veröffentlichen.

Wir bitten Sie daher mitzuhelfen, dass Österreich seinen Verpflichtungen nachkommen kann! Sie leisten mit Ihrer Auskunft einen wertvollen Beitrag, denn nur wenn jeder und jede Befragte die Fragen gewissenhaft und ehrlich beantwortet, sind wir in der Lage, die gesundheitliche Situation in Österreich wirklichkeitsnah abbilden zu können.

Finanziert wird die Befragung vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz sowie von der Bundesgesundheitsagentur.

Wer führt die Befragung durch?

Die Befragung wird von Bundesanstalt Statistik Austria durchgeführt. Statistik Austria erstellt im öffentlichen Auftrag hochwertige Statistiken und Analysen über die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Zahlen bilden eine zuverlässige Basis für Entscheidungen der Politik, Verwaltung, Wirtschaft und internationalen Institutionen. Statistik Austria ist ein Unternehmen, das der österreichischen Öffentlichkeit verpflichtet und nicht gewinnorientiert ist. Genauigkeit, Unparteilichkeit, Objektivität und Relevanz sind die Leitlinien für die Arbeit von Statistik Austria. Als führender Informationsdienstleister Österreichs erhebt Statistik Austria die größten Stichproben, die präzise Aufschlüsse über das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zulassen. Dabei werden moderne Instrumente der Qualitätssicherung eingesetzt.

Wie wird man für die Gesundheitsbefragung ausgewählt?

Eine Befragung aller Personen in Österreich ist aus Zeit- und Kostengründen nicht möglich. Deshalb wird eine Auswahl von Personen getroffen, die möglichst genau die Gesamtheit der in Österreich lebenden Bevölkerung abbilden soll. Die Auswahl erfolgt durch Zufall, damit gewährleistet ist, dass jeder die gleiche Chance hat, befragt zu werden.

Das Ziel ist, dass insgesamt 15.500 Personen an der Gesundheitsbefragung aktiv teilnehmen.

Die Gesundheitsbefragung richtet sich an die österreichische Bevölkerung ab 15 Jahren. Fremdauskünfte sind nicht zugelassen, außer bei Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, selbst die Fragen zu beantworten. Hier wird ein Haushaltsmitglied ersucht, einen verkürzten Fragebogen, der Grundinformationen über den Gesundheitszustand der Person liefern soll, zu beantworten.

Wie läuft die Befragung ab?

Als ersten Schritt erhalten die Personen in der Stichprobe (Respondentinnen und Respondenten) ein Ankündigungsschreiben des Aufraggebers und von Statistik Austria. Danach wird eine / ein mit einem Ausweis der Statistik Austria versehene Interviewerin / versehener Interviewer die Respondentin / den Respondenten persönlich kontaktieren. Die Erhebung wird als computerunterstützte Befragung, die rund eine halbe Stunde dauert, durchgeführt. Im Anschluss an die mündliche Befragung ist ein kurzer Selbstausfüller auszufüllen.

Wie werden Ihre Daten geschützt?

Der Gesundheitszustand ist für viele Personen ein heikles Thema. Daher werden selbstverständlich alle Informationen vertraulich behandelt.

Umfangreiche Datenschutzinformationen zu dieser Erhebung finden Sie auf unserem Datenschutzblatt (PDF, 26KB). Statistikgeheimnis und der Schutz Ihrer persönlichen Daten zählen zu unseren wichtigsten Grundsätzen. Dazu sind wir durch das Bundesstatistikgesetz, die Datenschutz-Grundverordnung und das Datenschutzgesetz verpflichtet. Statistikdaten werden deshalb ohne Namensbezug verarbeitet (pseudonymisiert). Name und Adresse werden nur für den Kontakt benötigt. Diese Angaben werden getrennt von den Antworten in einer Datenbank gespeichert und nach Abschluss der Erhebung gelöscht. In den Daten, die ausgewertet werden, sind persönliche Informationen wie Namen und Adressen gelöscht. Weiters wird in den Auswertungen auch nicht auf einzelne Personen, sondern nur auf Gruppen Bezug genommen. In den Ergebnissen sind also individuelle Antworten nicht mehr erkennbar. Zum Datenschutz gehört natürlich auch, dass Angaben mit persönlichen Informationen nicht weitergegeben werden dürfen - weder an staatliche Behörden noch an Unternehmen.

Ist die Befragung gesetzlich verpflichtend?

Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, an der Befragung teilzunehmen. Die Teilnahme an dieser Umfrage ist somit freiwillig. Für die Statistik werden Informationen von allen Bevölkerungsgruppen, von Jungen und Alten, von gesunden und natürlich auch von kranken Menschen benötigt.

Worum geht es bei der Gesundheitsbefragung?

Um ein umfassendes Bild vom Gesundheitszustand der österreichischen Bevölkerung zu erhalten, werden folgende Themen erfragt:

  • Selbst eingeschätzte Gesundheit
  • Chronische Krankheiten und Gesundheitsprobleme
  • Verletzungen
  • Körperliche Einschränkungen
  • Schmerzen
  • Psychische Gesundheit
  • Gesundheitsrelevantes Verhalten (z.B. Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen)
  • Lebensqualität
  • Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems
  • Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem
  • Gesundheitsvorsorge
  • Gesundheitszustand der Kinder im Haushalt
  • Sozio-demographische Merkmale (z.B. Alter, Geschlecht, Bildung, berufliche Stellung)

Wie oft wird eine Befragung durchgeführt?

Es ist wichtig, in möglichst regelmäßigen Abständen Befragungen zum Thema Gesundheit durchzuführen, um feststellen zu können, ob sich die gesundheitliche Lage der Bevölkerung über die Zeit verändert bzw. ob neue Probleme auftreten.

Es gab bisher folgende Befragungen zum Thema „Gesundheit“:

  • 1970: Sport-, Freizeit- und häusliche Unfälle
  • 1972: Rauchgewohnheiten der österreichischen Bevölkerung
  • 1973: Fragen zu Gesundheit
  • 1976: Körperbehinderungen
  • 1979: Rauchgewohnheiten
  • 1980: Haushalts-, Sport- und Freizeitunfälle
  • 1983: Fragen zu Gesundheit
  • 1986: Rauchgewohnheiten
  • 1989: Haushalts-, Sport- und Freizeitunfälle
  • 1991: Fragen zur Gesundheit
  • 1997: Haushalts-, Sport- und Freizeitunfälle; Rauchgewohnheiten
  • 1999: Fragen zur Gesundheit
  • 2000: WHO Studie - Gesundheit und Angemessenheit der Gesundheitsversorgung
  • 2006/07: Österreichische Gesundheitsbefragung
  • 2007: Arbeitsunfälle und arbeitsbezogene Gesundheitsprobleme
  • 2011: Erwerbstätigkeit von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  • 2013: Arbeitsunfälle und arbeitsbezogene Gesundheitsprobleme
  • 2014: Österreichische Gesundheitsbefragung
  • 2015: Menschen mit Beeinträchtigungen

Was passiert mit den Ergebnissen der Befragung?

Die anonymisierten und zu Statistiken zusammengefassten Ergebnisse dieser Befragung sind öffentlich zugängig und werden den inhaltlich zuständigen Ministerien, den Landesregierungen, den politischen Verantwortungsträgern und den Medien mitgeteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) und die OECD erhalten Auswertungen zur Aktualisierung ihrer Gesundheitsdatenbanken. Auf Anfrage können Forschungsinstitute anonymisierte Daten für wissenschaftliche Zwecke anfordern.

Erste Ergebnisse werden 2020 veröffentlicht.

Publikationen der Gesundheitsbefragung 2014

Österreichische Gesundheitsbefragung 2014: Hauptergebnisse und methodische Dokumentation (PDF, 12MB)

Österreichische Gesundheitsbefragung 2014: Sozio-demographische und sozio-ökonomische Determinanten von Gesundheit (PDF, 5MB)

Einige Ergebnisse der Gesundheitsbefragung 2014

  • 79% der Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren bewerten ihren eigenen Gesundheitszustand als "sehr gut" oder "gut". Nur 5% fühlten sich gesundheitlich "schlecht" oder "sehr schlecht". Frauen sahen ihren Gesundheitszustand generell etwas pessimistischer als Männer. Im Vergleich zu früheren Befragungen schätzen mehr Menschen ihren Gesundheitszustand positiv ein. So fühlten sich im Vergleich 1991 lediglich 71% gesundheitlich "sehr gut" oder "gut".
  • Die Anzahl der Lebensjahre in guter Gesundheit stiegen bei Männern seit 1991 um 10,2 Jahre auf 65,9 Jahre und bei Frauen um 9,7 Jahre auf 66,6 Jahre. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Lebenserwartung bei der Geburt bei Männern um 6,6 Jahre auf 78,9 Jahre, bei Frauen um 4,7 Jahre auf 83,7 Jahre. Damit war bei beiden Geschlechtern seit 1991 eine doppelt so hohe Zunahme der in guter Gesundheit verbrachten Lebensjahre wie der Lebenserwartung insgesamt zu beobachten.
  • Rund ein Viertel der Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, also etwa 1,76 Mio. Menschen, leidet unter chronischen Kreuzschmerzen oder einem anderen chronischen Rückenleiden. Besonders stark betroffen sind die ab 75-Jährigen: hier berichtete jede zweite Frau und jeder dritte Mann davon. Ähnlich häufig sind mit 1,75 Mio. Betroffenen Allergien. Frauen sind häufiger betroffen als Männer (27% bzw. 22%). Im Gegensatz zu den meisten anderen chronischen Erkrankungen treten Allergien häufiger bei jungen Menschen und im mittleren Erwachsenenalter auf. An dritter Stelle der gesundheitlichen Probleme steht Bluthochdruck: Darunter leiden akut 1,5 Mio. Menschen, d.h. jede fünfte Person ab 15 Jahren. Bluthochdruck kommt im höheren Erwachsenenalter besonders häufig vor, die Hälfte der Frauen ab 60 Jahren berichtete davon. Über chronischen Nackenschmerzen klagen 1,3 Mio.
  • Chronische Krankheiten und Gesundheitsprobleme nehmen mit dem Alter zu. Zwar ist eine knappe Mehrheit (51%) der 15- bis 44-jährigen Bevölkerung frei von chronischen Krankheiten, aber bereits im Alter von 45 bis 59 Jahren sinkt Anteil der Personen ohne eine Angabe einer chronischen Krankheit auf 35%. Bei der älteren Bevölkerung ab 60 Jahren sind 81% von zumindest einer Erkrankung, viele aber auch von mehreren gesundheitlichen Problemen betroffen (58%).
  • Rund eine halbe Million Menschen in Österreich (7% der Bevölkerung) sind bei ihren Alltagstätigkeiten durch ein dauerhaftes gesundheitliches Problem stark eingeschränkt. Weitere 1,8 Mio. Personen (25% der Bevölkerung) sind etwas eingeschränkt. Besonders betroffen ist die ältere Bevölkerung. Über Probleme bei der selbständigen Ausübung von zumindest einer Basisaktivität der täglichen Körperpflege und Versorgung der eigenen Person berichten 249.000 Personen ab 65 Jahren (16%). Betroffen sind 165.000 Frauen und 84.000 Männer. Etwa ein Viertel der Betroffenen hat dabei keine oder keine ausreichende Unterstützung.
  • Zwei von drei Frauen essen täglich Obst, mehr als die Hälfte der Frauen isst täglich Gemüse. Männer greifen deutlich seltener täglich zu Obst und Gemüse (45% bzw. 40%). Nur 10% der Frauen und 4% der Männer erreichen jedoch die Empfehlung des Gesundheitsministeriums, täglich fünf Portionen Obst und/oder Gemüse zu essen.
  • Beinahe jede zweite Frau und jeder zweite Mann betreiben pro Woche zumindest 150 Minuten Sport, Fitness oder körperliche Aktivität und erfüllen somit eine der WHO-Bewegungsempfehlungen. Die Empfehlung, zweimal pro Woche die Muskeln zu kräftigen, erreichen mehr Männer als Frauen (36% bzw. 29%). Rund ein Viertel aller Personen (21% der Österreicherinnen und 28% der Österreicher) erfüllt beide Bewegungskriterien. Junge Männer (18 bis 29 Jahre) sind besonders sportlich aktiv: 43% machen entsprechend den WHO-Empfehlungen sowohl ausreichend Fitness- als auch Muskeltraining.
  • 16% der Männer und 13% der Frauen sind den Definitionen der WHO zufolge adipös (fettleibig bzw. stark übergewichtig). In absoluten Zahlen sind damit in Österreich 550.000 Männer und 480.000 Frauen von Fettleibigkeit betroffen. Adipositas ist ein mit dem Lebensalter immer häufiger auftretendes Problem. So ist nur ein geringer Prozentsatz der jungen Bevölkerung (15 bis 29 Jahre) stark übergewichtig (7%). Am häufigsten kommt Adipositas bei den 60- bis 75-Jährigen vor: Jede fünfte Person ist in diesem Alter stark übergewichtig (Frauen: 20%, Männer 22%). Der Anteil der stark übergewichtigen Männer ist (unter Berücksichtigung des Alterseffekts) seit 2006/07 gestiegen und zwar um 3,3 Prozentpunkte, während bei den Frauen die Adipositas-Prävalenz gleichgeblieben ist.
  • 1,76 Mio. Österreicherinnen und Österreicher (bzw. jede vierte Person ab 15 Jahren) rauchen täglich, das sind im Vergleich zu 2006/07 um 134.000 Personen mehr. Dieser Anstieg ist wesentlich dadurch bedingt, dass immer mehr Frauen täglich zur Zigarette greifen. Die Raucherquote der Männer liegt derzeit bei 27%, die der Frauen bei 22%. Im Vergleich zur letzten Befragung 2006/07 bedeutet dies einen Rückgang der Raucherquote bei Männern um einen Prozentpunkt, bei Frauen dagegen einen Anstieg um drei Prozentpunkte. Etwa ein Fünftel der nicht täglich rauchenden Bevölkerung war dem Passiv-Rauchen ausgesetzt. Am größten war die Belastung bei den 15- bis 29-Jährigen - hier war nahezu jede dritte Person von Passiv-Rauchen betroffen.
  • Ein Großteil der Frauen nimmt an Vorsorgeuntersuchungen zu Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs teil. Bezogen auf die letzten drei Jahre vor der Befragung ließen 84% der 15- bis 59-jährigen Frauen einen Krebsabstrich zur Früherkennung eines Gebärmutterhalskrebses durchführen, 80% der 40- bis 59-jährigen Frauen waren bei einer Mammographie. Als Vorsorgemaßnahme betreffend die Darmgesundheit ließ rund ein Drittel der Befragten ab 50 Jahren im Jahr vor der Befragung einen Okkultbluttest vornehmen, weitere 46% vor länger als zwölf Monaten. Jede zweite 50-jährige Person war innerhalb der letzten drei Jahre bei einer Darmspiegelung.