Operation 2007

Die gegenwärtig in der Europäischen Statistik angewandte Wirtschaftszweigklassifikation stammt in ihrer Grundstruktur aus der Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und wurde im Jahr 1990 vom Europäischen Rat als für die Mitgliedstaaten verpflichtende Klassifikation verabschiedet (NACE Rev. 1; Anwendung ab 1993 bzw. 1995). Im Jahr 2002 wurde eine Aktualisierung vorgenommen (NACE Rev. 1.1). Da sich in diesen Jahrzehnten die Wirtschaftsstruktur massiv geändert hat - insbesondere was die Dienstleistungen betrifft - war es daher notwendig, eine grundlegende Revision der Wirtschaftszweigklassifikationen vorzunehmen. Dies wurde im Jahr 2001 beschlossen und ein mehrjähriger umfassender Arbeitsprozess gestartet („Operation 2007“); der nun mit der Verfügbarkeit der neuen weltweiten (ISIC Rev. 4) und Europäischen Wirtschaftszweigklassifikation (NACE Rev. 2) abgeschlossen ist.

ISIC Rev. 4 wurde im März 2006 von der Statistischen Kommission der Vereinten Nationen verabschiedet. Zurzeit wird immer noch an der Finalisierung der Publikation gearbeitet; eine Version mit Erläuterungstexten findet sich jedoch schon seit langem auf der Website der Vereinten Nationen. NACE Rev. 2 wurde durch eine Verordnung des Rates und des Europäischen Parlamentes in Kraft gesetzt, die im Wesentlichen unter der Österreichischen EU-Präsidentschaft verhandelt wurde, im Herbst 2006 beschlossen und am 30. Dezember 2006 im Amtsblatt der EU veröffentlicht worden ist: Verordnung (EG) Nr. 1893/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 zur Aufstellung der statistischen Systematik der Wirtschaftszweige NACE Revision 2 und zur Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 3037/90 des Rates sowie einiger Verordnungen der EG über bestimmte Bereiche der Statistik (ABl L 393 vom 30. Dezember 2006). Die revidierten Gütersystematiken - einerseits CPC Version 2.0 der Vereinten Nationen und andererseits CPA 2008 der Europäischen Union – sind ebenfalls fertig gestellt, wenngleich ebenso auch noch nicht publiziert. Die EU-Verordnung zur CPA 2008 (Nr. 451/2008 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 23. April 2008) wurde am 4. Juni 2008 im Amtsblatt L145/65 veröffentlicht.

In Österreich wurden in der Vergangenheit nationale Versionen der Europäischen Klassifikationen erstellt und angewendet. Die ÖNACE 1995 entsprach der NACE Rev. 1 und die ÖNACE 2003 der NACE Rev. 1.1. Auch für die NACE Rev. 2 wurde eine nationale Version erstellt (ÖNACE 2008), die im 3. Quartal 2008 endgültig fertig gestellt wurde und schließlich im November 2008 als Publikation veröffentlicht wurde. Die Struktur der ÖNACE 2008 war bereits im 4. Quartal 2007 fertig gestellt und auf der Homepage der Statistik Austria verfügbar. Die nationale Version der CPA 2008, die ÖCPA 2008 wird in der ersten Hälfte 2009 vorliegen.

Der Umstieg auf eine neue Klassifikation

Die Umstellung auf eine neue Klassifikation ist ein extrem aufwändiger Prozess, weil so gut wie alle Aspekte der Erstellung und Präsentation der jeweiligen Statistiken betroffen sind. Dies gilt ganz besonders für die Umstellung auf eine neue Wirtschaftszweigklassifikation, weil eine solche Klassifikation in einer Unzahl von Statistiken verwendet wird, und daher auch ein großer Koordinierungsbedarf besteht. Mit der Umstellung auf eine neue Klassifikation sind daher nicht nur der Vorteil der Verfügbarkeit von Daten nach einer aktuellen, die gegenwärtigen Wirtschaftstrukturen besser abbildenden Systematik verbunden, sondern auch Nachteile. Aus der Sicht vieler Datennutzer problematisch sind die mit der Umstellung verbundenen Brüche in den Zeitreihen, die mithilfe von Rückrechnungen der Statistiken minimiert werden sollen. Nicht alle Statistiken können zum gleichen Zeitpunkt auf die neue Klassifikation umgestellt werden, sodass eine zeitlang einzelne Statistiken bereits nach der neuen, andere jedoch noch nach der alten Klassifikation erstellt und publiziert werden, womit die gewünschte Kohärenz des Gesamtsystems beeinträchtigt ist. Als Basis für Rückrechnungen und zur Analyse der Auswirkungen der strukturellen Unterschiede zwischen alter und neuer Systematik werden einzelne Statistiken sowohl nach der neuen als auch nach der alten Klassifikation parallel erstellt. Diese komplexen Beziehungsstrukturen resultieren aus den unterschiedlichen Referenzen der einzelnen Statistiken aber auch aus den Interdependenzen zwischen bestimmten Statistiken. Am deutlichsten mag das die Volkswirtschaftliche Gesamtrechung illustrieren, die erst dann auf die neue Klassifikation umsteigen kann, wenn alle notwendigen Basisstatistiken nach der neuen Klassifikation vorliegen. Die Umstellung ist daher ein mehrjähriger Prozess, der bis 2011 reichen wird.

Koordination der Aktivitäten

Die Koordinierungsaufgabe beginnt bereits auf Europäischer Ebene, weil die Mitgliedstaaten zur gleichen Zeit auf die neue Klassifikation umsteigen sollen, da es ja ansonsten nicht möglich ist, europäische Aggregate zu berechnen. Dabei müssen nicht nur der Zeitpunkt der Umstellung, sondern auch die dafür anzuwendende Methodik der Umstellung und die der Rückrechnungen koordiniert werden, damit die Harmonisierung und Vergleichbarkeit der Statistiken zwischen den Mitgliedstaaten gewahrt bleibt. Es werden daher bereits auf europäischer Ebene die zentralen Parameter der NACE-Implementierung festgeschrieben, wobei grundsätzlich folgende Prinzipien Geltung haben sollen:

  • Erstimplementierungsjahr soll 2008 sein. Dort wo eine Erstimplementierung erst später erfolgen kann, muss entsprechend rückgerechnet werden.
  • Zudem muss es für bestimmte Statistiken weiter zurückreichende Rückrechungen geben.
  • Bestimmte Statistiken müssen für eine Berichtsperiode (2008) sowohl nach alter als auch nach neuer Klassifikation erstellt werden.
  • Alle Umstellungen müssen von allen Mitgliedstaaten ausnahmslos zur gleichen Zeit durchgeführt werden.
  • Die methodischen Ansätze der Umstellung sollen möglichst harmonisiert sein.