Profiling

In den vergangenen Jahrzehnten bewirkten Marktkonkurrenz, Innovation sowie die Tendenz zur verstärkten Internationalisierung tiefgreifende Veränderungsprozesse in unserer Wirtschaft. Dabei ist festzustellen, dass die (gesellschafts-)rechtlichen Strukturen unserer Ökonomie in gewissen Bereichen nur mehr bedingt mit den tatsächlich vorherrschenden Organisations- und Entscheidungsstrukturen übereinstimmen.

Insbesondere im Hinblick auf die größten, multinational agierenden Unternehmensgruppen erscheint eine isolierte Betrachtung und wirtschaftsstatistische Erfassung einzelner rechtlicher Einheiten (z.B. Kapital- und Personengesellschaften) in zunehmendem Maße problematisch. Die verschiedenen Tätigkeiten der gruppenweiten Wertschöpfungskette sind bei diesen aus organisatorischen, administrativen oder steuerrechtlichen Gründen meist auf mehrere rechtlich selbständige,  jedoch vom Gruppenoberhaupt mittel- bzw. unmittelbar kontrollierte Gesellschaften verteilt. Obwohl formell selbständig, ist aus ökonomischer Sicht in diesen Fällen nur die Gesamtheit aller Einheiten als autonom zu betrachten, weil das Produkt bzw. die Dienstleistung von diesen nur im Verbund hergestellt, geleistet und am Markt abgesetzt werden kann. Die Identifizierung und Abgrenzung dieser autonomen und marktorientierten Wertschöpfungsketten, auch als „statistische Unternehmen“ bezeichnet, ist Gegenstand des sogenannten „Profiling“.

Profiling ist eine EU-weit anerkannte und angewandte Methode zur Analyse der rechtlichen, operationellen und buchhalterischen Strukturen einer Unternehmensgruppe auf nationaler und globaler Ebene, mit dem Ziel, die „statistischen Unternehmen“ innerhalb der Gruppe zu bilden, deren Beziehungen zueinander zu definieren und effiziente Strukturen für die Sammlung von diesbezüglichen statistischen Daten zu schaffen. Die zentrale Rechtsgrundlage bildet die Europäische Einheitenverordnung. Eine verstärkte Kooperation mit den Unternehmensgruppen bzw. Unternehmen sowie ein verbesserter Support von Statistik Austria im Rahmen der Meldungserstellung sollen darüber hinaus die Konsistenz und die Kohärenz der Unternehmensstatistiken insgesamt erhöhen.

Konsistente Daten und Statistiken über Struktur, Output und Leistungsfähigkeit der Wirtschaft stellen eine fundamentale Entscheidungsgrundlage für Politik, Gesellschaft und die vielen Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich dar. Die Leistungs- und Strukturstatistik, welche eine detaillierte Strukturanalyse der österreichischen Unternehmen ermöglicht, wurde mit dem Berichtsjahr 2018 auf das „statistische Unternehmen“ als mögliche Kombination mehrerer rechtlicher Einheiten umgestellt. Bis zum Berichtsjahr 2021 werden die Ergebnisse der Leistungs- und Strukturstatistik national sowohl nach dem bisherigen Konzept (auf Basis der rechtlichen Einheit), als auch für das neue „statistische Unternehmen“ publiziert. Statistik Austria wird im Rahmen des Profiling-Projektes auch zukünftig mit großen und komplexen Unternehmensgruppen in Österreich in Kontakt treten, um gemeinsam eine Struktur unter Wahrung der wirtschaftsstatistischen Erfordernisse zu erarbeiten.

Was ist der Nutzen?

  • Realitätsnähere Abbildung der österreichischen Wirtschaft und ihrer internationalen Verflechtungen
  • Eliminierung von Doppel- und Mehrfacherfassungen bei substantiellen, gruppeninternen Liefer- und Leistungsbeziehungen
  • Verbesserung der Konsistenz wirtschaftsstatistischer Ergebnisse
  • Evaluierung von Entlastungspotentialen in Zusammenarbeit mit der Unternehmensgruppe
  • Verbesserung des Services und des Supports durch Statistik Austria (Erarbeitung von Lösungswegen bei Problemen mit statistischen Meldungen)
  • Verbesserung der Konformität zwischen Rechnungswesen / Reporting der Unternehmensgruppen und den statistischen Meldungen

Detailinformationen

Eurostat ist seit einigen Jahren bestrebt, das Konzept des „statistischen Unternehmens“ systematisch anzuwenden, um die Auswirkungen der Globalisierung und Internationalisierung multinationaler Unternehmensgruppen angemessen und möglichst realitätsnahe in der europäischen Unternehmensstatistik abbilden zu können. Als zentrale Betrachtungseinheit wird das „statistische Unternehmen“ laut EU-Einheitenverordnung wie folgt definiert: „Das Unternehmen entspricht der kleinsten Kombination rechtlicher Einheiten, die eine organisatorische Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen bildet und insbesondere in Bezug auf die Verwendung der ihr zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit verfügt. Ein Unternehmen übt eine Tätigkeit oder mehrere Tätigkeiten an einem oder mehreren Standorten aus. Ein Unternehmen kann einer einzigen rechtlichen Einheit entsprechen.“

Seit dem Jahr 2014 werden Projekte von Eurostat initiiert, die den nationalen statistischen Institutionen erlauben, anhand der entwickelten Methode des „Profilings“ Unternehmensgruppen gemäß den EU-Definitionen zu analysieren und in weiterer Folge die statistischen Unternehmen in den nationalen Unternehmensregistern zu implementieren und in den Unternehmensstatistiken anzuwenden.

Im Gegensatz zur bisher in den meisten Mitgliedsländern der EU gebräuchlichen Darstellung jeder rechtlichen Einheit als jeweils eigenes Unternehmen, definiert die EU-Einheitenverordnung, dass nicht jede Einheit unbedingt ein Unternehmen im Sinne der Statistik darstellt. Oftmals sind Tätigkeiten rechtlicher Einheiten innerhalb einer Unternehmensgruppe bloß als unterstützende Leistungen zu den Tätigkeiten anderer Einheiten zu betrachten. Wie in Grafik 1 verdeutlicht, können Leistungen von rechtlichen Einheiten (Geschäftsleitung, Immobilienverwaltung, Personalverwaltung) nur unternehmensintern der Produktionseinheit zur Verfügung gestellt werden. Marktwirtschaftlich tritt letztendlich nur das Produktionsunternehmen in Erscheinung.

Zur Analyse einer Unternehmensgruppe wird die Methode des „Profilings“ herangezogen. Dabei werden vor allem die Organisation und die Rechnungslegung von Konzernen und deren Interdependenzen analysiert. Im Rahmen von Profiling werden innerhalb der Unternehmensgruppe die statistischen Einheiten identifiziert und eine angemessene Struktur für die Datenermittlung erarbeitet.

Für die unterschiedlich strukturierten und organisierten Unternehmensgruppen kann Profiling in verschiedenen Varianten eingesetzt werden. Große und komplex strukturierte Unternehmen werden dem sogenannten „intensive Profiling“ unterzogen. In diesem Rahmen werden im direkten Kontakt mit der Zentrale der Unternehmensgruppe die statistischen Unternehmen innerhalb des jeweiligen Konzerns gebildet und die Möglichkeiten der Datenerhebung mit den betroffenen Stellen festgelegt. In der abgeschwächten Form des „light Profiling“ entfällt bei kleinen bis mittelgroßen Unternehmensgruppen der direkte Kontakt. Die Bildung der statistischen Unternehmen wird weitestgehend auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen (Geschäftsberichte, Unternehmenswebseiten, etc.) durchgeführt, soweit die notwendigen Informationen vorhanden sind. Grafik 2 zeigt die Festlegung der statistischen Unternehmen innerhalb einer Unternehmensgruppe, die anhand der Informationen des Konzernabschlusses und der dort aufscheinenden funktionalen Segmentberichterstattung gemäß IFRS durchgeführt wird. In kleinen und wenig komplexen Unternehmensgruppen werden statistische Unternehmen anhand eines automatischen Algorithmus erstellt („automatic Profiling“).

Beispiel von Leistungen rechtlicher Einheiten
Bildung statistischer Unternehmen


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