COVID-19 Prävalenzstudien

Statistik Austria legt mit diesen Studien eine Abschätzung der in Österreich Ende April und Ende Mai 2020 von COVID-19 betroffenen Bevölkerung vor. Die COVID-19 Prävalenzstudien wurden im Auftrag des Wissenschaftsministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz sowie der Medizinischen Universität Wien durchgeführt.

Die erste COVID-19 Prävalenzstudie von Statistik Austria hatte ergeben, dass die Zahl der akut mit SARS-CoV-2-Infizierten im Zeitraum 21. bis 24. April 2020 bei maximal 11.000 Personen bzw. 0,15% der Bevölkerung lag (Obergrenze des 95%-Konfidenzintervalls). Zusätzlich wurden fünf sozialwissenschaftliche Themen näher untersucht: die Akzeptanz der von der Bundesregierung gesetzten Schutzmaßnahmen, die erwarteten Folgen der Corona-Pandemie, das Wohlbefinden, die Veränderungen der Arbeitssituation und die subjektive Prävalenz (Details zu dieser Studie finden Sie weiter unten im Verlauf).

Um abschätzen zu können, wie sich die Lockerungen der Corona-Sicherheitsvorkehrungen – etwa die Öffnung der Geschäfte, das Ende der Quarantäne in bestimmten Gebieten Österreichs sowie die Schulöffnung (Phase 1: Volksschulen/Unterstufe) – auf die Verbreitung des Virus auswirken, wurde die Studie im Mai wiederholt.

Die zweite COVID-19 Prävalenzstudie von Statistik Austria ergab, dass im Zeitraum von 26. bis 30. Mai 2020 die Zahl der Personen in Österreichs Privathaushalten, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert waren, bereits unterhalb der statistischen Nachweisgrenze lag. Bei einer Stichprobengröße von 3.720 in Privathaushalten wohnhaften Personen ab 16 Jahren konnten von 1.279 Personen verwertbare PCR-Proben mittels Mund-Nasen-Rachen-Abstrich entnommen werden. Darunter wurde keine Person positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet. Dieses Ergebnis bestätigt die Entwicklung laut epidemiologischem Meldesystem (EMS): Waren rund um den Zeitpunkt (±5 Tage) der Ende April von Statistik Austria durchgeführten Studie laut EMS noch etwa 960 Personen infiziert, so waren es im Zeitraum der aktuellen Studie nur noch rund 380 Personen. Bei der zugrundeliegenden Stichprobengröße sind derartige Größenordnungen nicht mehr verlässlich nachweisbar. In der Studie wurden auch Fragen zur Arbeitssituation Erwerbstätiger sowie zu subjektiven Einschätzungen gestellt. So ging mit den Lockerungen der Sicherheitsvorkehrungen auch eine Normalisierung der Arbeitssituation einher: 59% der Erwerbstätigen gaben an, zum Befragungszeitpunkt wieder an ihrem Arbeitsplatz zu arbeiten, und nur noch rund ein Viertel der Befragten arbeitete weniger als vor der Krise. Auch die Sorgen der Bevölkerung verschoben sich im Vergleich zu April: Geringfügig mehr Personen befürchteten finanzielle Probleme, aber deutlich weniger hatten Angst vor einer SARS-CoV-2-Infektion. Die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen sank, während das Wohlbefinden nahezu unverändert blieb. Ein ausführlicher Kurzbericht ist unter dem Karteireiter „Weitere Informationen“ zu finden.

COVID-19 Prävalenzstudie April 2020

Statistik Austria legt mit dieser Studie eine valide Abschätzung der in Österreich Mitte April 2020 von COVID-19 betroffenen Bevölkerung vor. Die Grundgesamtheit für diese Stichprobenerhebung umfasst Personen ab 16 Jahren, die in Privathaushalten leben. Personen in Spitälern oder Einrichtungen sind dabei nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung von 1.577 Personen, wovon bei 1.432 Personen auch mittels Mund-Nasen-Rachenabstrichs ein PCR-Test vorgenommen wurde.

Aufgrund der durchgeführten Testungen ist davon auszugehen, dass die Zahl der akut Betroffenen unter rund 11.000 Personen bzw. 0,15% der Grundgesamtheit lag (Obergrenze des 95%-Konfidenzintervalls; Untergrenze 0,001%).

Zusätzlich wurden fünf sozialwissenschaftliche Themen näher untersucht: die Akzeptanz der von der Bundesregierung gesetzten Schutzmaßnahmen, die erwarteten Folgen der Corona-Pandemie, das Wohlbefinden, die Veränderungen der Arbeitssituation und die subjektive Prävalenz.

Die Ergebnisse der Befragung legen nahe, dass die meisten der zum Zeitpunkt der Befragung in Kraft befindlichen Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung weitgehend als angemessen gesehen wurden (> 80%). Die geringste Zustimmung fanden die Schließung von Geschäften (69%) sowie Einschränkungen für den Aufenthalt im Freien (56%). Insbesondere Personen mit Kindern vor dem Schulalter hatten die Beschränkungen des Aufenthalts im Freien mehrheitlich als nicht angemessen eingestuft. Demgegenüber hat die etwa genauso große Bevölkerungsgruppe von Personen mit kritischen Vorerkrankungen diese Maßnahmen überdurchschnittlich oft als angemessen eingestuft.

Knapp zwei Drittel der Grundgesamtheit befanden sich immer oder zumindest meistens in den 14 Tagen vor der Befragung in einem Zustand von Ruhe, Entspannung und guter Laune. Deutlich herabgesetzt war dagegen das Wohlbefinden der Menschen mit kritischen Vorerkrankungen. Nur rund ein Drittel dieser Personen war in den zwei Wochen vor der Befragung zumindest meistens ruhig, entspannt und gut gelaunt.

Die für die kommenden Monate am häufigsten erwartete Folge betraf nicht eine Erkrankung an COVID-19 selbst, sondern finanzielle Probleme. Rund 10% der Bevölkerung hielten Folgen in diesem Bereich für wahrscheinlich. Im Vergleich dazu erwarteten 7% in den kommenden Monaten selbst infiziert zu werden. Der Anteil jener, die dabei einen schweren Verlauf für wahrscheinlich halten, war mit rund 2% sehr gering.

Bei Personen mit Kindern vor dem Schulalter war die Erwartung finanzieller Folgen fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt. Hinzu kommt die deutlich gehäufte Erwartung zunehmender Konflikte in Familie und Beziehung.

Im Unterschied dazu ist die Erwartung eines schweren Krankheitsverlaufs bei Personen mit kritischen Vorerkrankungen besonders stark ausgeprägt. Doch selbst bei dieser Gruppe steigt dieser Anteil nicht über 12%.

Die durch die Krise bedingten gravierenden Verschiebungen am Arbeitsmarkt sind auch in dieser Stichprobe nachweisbar. Nur knapp drei Viertel jener, die sich Mitte März zur Gruppe der Erwerbstätigen gezählt haben, waren auch noch Mitte April erwerbstätig. Rund ein Viertel war entweder auf Kurzarbeit oder war nicht mehr erwerbstätig. Gut ein Drittel derjenigen, die sich Mitte April zur Gruppe der Erwerbstätigen gerechnet haben, arbeiteten von Zuhause aus. Für hochgerechnet rund 8% aller Erwerbstätigen hat sich die Arbeitsmenge seit der Krise erhöht.

Der Kreis der Personen, die davon ausgehen, bereits in Kontakt mit dem Virus gekommen zu sein, umfasst rund 3% der Grundgesamtheit.

Ein ausführlicher Ergebnisbericht ist unter dem Karteireiter „Weitere Informationen“ zu finden.

Methode

Stichprobe

Grundgesamtheit sind Personen ab 16 Jahren mit Hauptwohnsitz in Österreich (ca. 7,3 Millionen Personen). Die Stichprobe ist zweistufig geschichtet.

Gewichtung

Die Gewichtung erfolgte in drei Schritten:

  1. Berechnung der Designgewichte der Bruttostichprobe,
  2. Ausgleich des Antwortausfalls (Non-Response) und
  3. Kalibrierung auf bekannte Eckzahlen der Grundgesamtheit.

Der erste Schritt ergibt sich direkt aus dem Stichprobendesign. Designgewichte sind die Kehrwerte der Auswahlwahrscheinlichkeiten. Für den zweistufigen Teil der Stichprobe ergibt sich die Auswahlwahrscheinlichkeit einer Person als Produkt der Auswahlwahrscheinlichkeit des Zählsprengels und der Auswahlwahrscheinlichkeit der Person innerhalb des Zählsprengels.

Die Anpassung der Non-Response erfolgte innerhalb der Schichten. Auf eine feinere Modellierung der Non-Response wurde in diesem Schritt verzichtet, da im nächsten Schritt ohnehin auf eine Vielzahl von Variablen kalibriert wird, die auch hinsichtlich Non-Response große Bedeutung haben.

Die Kalibrierung der Stichprobe erfolgte mittels „Iterative Proportional Fitting“ (R Funktion ipf aus dem R Paket surveysd). Die Extremwerte der Gewichte wurden nach oben und unten begrenzt (1.200 bzw. 18.000) und die relative Entfernung zum Designgewicht (häufig als g-weights bezeichnet) wurde mit dem Faktor 4 begrenzt. Auf folgende Eckzahlen wurde kalibriert (in Klammer die Anzahl der Gruppen dieser Variable):

  • Altersklassen (6) X Geschlecht (2) X Urbanisierungsgrad (3)
  • Haushaltsgröße (4) X Urbanisierungsgrad (3)
  • Bundesland (9) X Urbanisierungsgrad (3)
  • Risikoeinstufung (3) X Urbanisierungsgrad (3)
  • Staatsbürgerschaft (2) X Urbanisierungsgrad (3)
  • Bildung (2) X Urbanisierungsgrad (3)

Fehlerrechnung

Die Schätzung des Stichprobenfehlers und der Konfidenzintervalle erfolgte mittels eines Bootstrapverfahrens (Rescaled bootstrap for stratified multistage sampling, R Funktionen draw_bootstrap bzw. recalib aus dem R Paket surveysd). Es wurden 5.000 Bootstrapsamples gezogen, welche auf die gleichen Eckzahlen wie die ursprüngliche Stichprobe kalibriert wurden.

Die 95%-Konfidenzintervalle berechnen sich als 2,5%-Perzentil für die Untergrenze bzw. 97,5%-Perzentil für die Obergrenze der 5.000 Bootstrap-Realisierungen des Schätzers.

Als Schätzung für Stichprobenfehler kann die Standardabweichung der 5.000 Bootstrap-Schätzer verwendet werden.

Designeffekt

Der Designeffekt beschreibt den Quotienten aus realisierter Stichprobenvarianz durch die Stichprobenvarianz bei gleich großer Stichprobe unter einer reinen Zufallsauswahl.

Der Kishfaktor als einfaches Maß für den Designeffekt aufgrund der Gewichtung beträgt für das Designgewicht (und das Non-Response angepasste Gewicht) 1,16. Für das final kalibrierte Gewicht erhöht sich dieser Faktor auf 1,25.

Um den Designeffekt schätzen zu können, muss ein konkretes Merkmal verwendet werden. Hierzu wurde das Merkmal, ob bei einer Person bereits ein PCR-Test (außerhalb dieser Studie) durchgeführt wurde, gewählt. Der geschätzte Designeffekt für dieses Merkmal ist 1,26, dies lässt sich in eine effektive Stichprobengröße von 1.246 Personen umrechnen. Dies ist quasi ident mit dem durch die Gewichtung erwarteten Designeffekt.

COVID-2019 Prävalenzstudie: Mai 2020

Arbeitssituation (Mai 2020)
Arbeitssituation, Arbeitsausmaß (Mai 2020)
Arbeitssituation, Arbeitsort (Mai 2020)
Konflikt Arbeit-Familie, Teil 1 (Mai 2020)
Konflikt Arbeit-Familie, Teil 2 (Mai 2020)
Schutzmaßnahmen, Teil 1 (Mai 2020)
Schutzmaßnahmen, Teil 2 (Mai 2020)
Subjektive Folgen: Finanzielle Probleme (Mai 2020)
Subjektive Folgen: Infektion (Mai 2020)
Subjektive Folgen: Jobverlust (Mai 2020)
Subjektive Folgen: Konflikte (Mai 2020)
Subjektive Folgen: Schwere Erkrankung (Mai 2020)
Subjektive Folgen: Schwierige Jobfindung (Mai 2020)
Subjektive Folgen: Verlust Familienmitglied (Mai 2020)
Wohlbefinden (Mai 2020)

COVID-2019 Prävalenzstudie: April 2020

Arbeitssituation (April 2020)
Arbeitssituation, Arbeitsausmaß (April 2020)
Arbeitssituation, Arbeitsort (April 2020)
Kontakt Coronavirus (April 2020)
Schutzmaßnahmen, Teil 1 (April 2020)
Schutzmaßnahmen, Teil 2 (April 2020)
Selbsteinschätzung Coronavirus (April 2020)
Subjektive Folgen: Finanzielle Probleme (April 2020)
Subjektive Folgen: Infektion (April 2020)
Subjektive Folgen: Jobverlust (April 2020)
Subjektive Folgen: Konflikte (April 2020)
Subjektive Folgen: Schwere Erkrankung (April 2020)
Subjektive Folgen: Verlust Familienmitglied (April 2020)
Wohlbefinden (April 2020)

Infografik COVID-19 Prävalenzstudie Nov. 2020
Infografik COVID-19 Prävalenzstudie - Umgang/Wohlbefinden
Infografik COVID-19 Prävalenzstudie - max. Infektionen


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