Einkommen

Bezogen auf die Einkommenssituation von Frauen und Männern zeigt sich in den letzten Jahren ein Rückgang des geschlechtsspezifischen Lohnunterschiedes, dennoch verdienen Frauen nach wie vor deutlich weniger als Männer.

Innerhalb der letzten zehn Jahre sank die Einkommensdifferenz gemessen an den mittleren Bruttojahreseinkommen laut Lohnsteuerdaten von 40,9% (2008) auf 36,7% (2018). Das Bruttojahreseinkommen der Frauen betrug dabei 2018 21.996 Euro und jenes der Männer 34.730 Euro. Bei den Nettojahreseinkommen hat sich der Verdienstunterschied ebenfalls verringert. Aufgrund der progressiven Besteuerung ist die Einkommensdifferenz aber insgesamt geringer. 2008 lagen die Nettojahreseinkommen der Frauen um 33,5% unter jenen der Männer, 2018 waren es 30,0%.Berücksichtigt man die Unterschiede im Beschäftigungsausmaß (Teilzeit, unterjährige Beschäftigung) und beschränkt den Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann lagen die Bruttojahreseinkommen der Frauen 2018 mit 37.959 Euro um 15,2% unter jenen der Männer mit 44.766 Euro; 2008 waren es noch 20,9%.

Um die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede auch EU-weit vergleichen zu können, steht der Indikator Gender Pay Gap zur Verfügung. Dieser wird in der gesamten EU einheitlich für alle Mitgliedstaaten berechnet und bezieht sich gemäß der Definition von Eurostat auf die durchschnittlichen (arithmetisches Mittel) Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten in der Privatwirtschaft. Die Verwendung der Stundenverdienste hat im Vergleich zu Jahresverdiensten den Vorteil, dass Voll- und Teilzeitbeschäftigte unabhängig von der jeweiligen Arbeitszeit miteinander verglichen werden können. Im Zehnjahresvergleich hat sich der Gender Pay Gap von 25,1% (2008) auf 20,4% (2018) verringert. Österreich liegt aber weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der EU-28 von 15,0%p (siehe Eurostat Datenbank).

Statistik Austria hat für Österreich den Einfluss beobachtbarer Faktoren auf den Gender Pay Gap (PDF, 600KB) untersucht. Basis sind die Daten aus dem Jahr 2014. Gemessen an den Bruttostundenverdiensten in der Privatwirtschaft lag der Gender Pay Gap bei insgesamt 22,2%. Berücksichtigt man Merkmale wie Branche, Beruf, Bildungsniveau, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Vollzeit/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags, Region und Unternehmensgröße, dann reduziert sich der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern auf 13,6%. D.h. mehr als die Hälfte des Gender Pay Gap bleibt auch unter Berücksichtigung aller genannten Faktoren unerklärt.

Zu den wichtigsten erklärenden Faktoren zählen in Österreich Branche und Beruf, da Frauen nach wie vor öfter in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und in Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten arbeiten, während Männer häufiger in besser bezahlten technischen Berufen und Führungspositionen zu finden sind. Einen deutlichen Einfluss haben auch das Ausmaß der Beschäftigung, da Teilzeitbeschäftigte auch pro Stunde geringer entlohnt werden, sowie Unterschiede in der Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen.

Bei der Interpretation ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Bereinigung um beobachtbare Faktoren letztlich eine rein rechnerische ist, da geschlechtsspezifische Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt bewusst ausgeklammert werden. Real bleiben die Unterschiede und damit auch das Lohngefälle bestehen. Zur Methodik siehe Analysen zum Gender Pay Gap (PDF, 600KB).

Der EU-Indikator „Gender Pay Gap“ (geschlechtsspezifischer Lohnunterschied, ohne Anpassungen) bezeichnet laut Eurostat die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer und Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Basis für die Berechnung ist die Verdienststrukturerhebung (Structure of Earnings Survey). Diese wird in der gesamten Europäischen Union alle vier Jahre nach harmonisierten Standards durchgeführt. In Österreich leisteten 11.000 bis 12.000 Unternehmen Angaben zu rund 200.000 unselbständig Beschäftigten. Diese stehen repräsentativ für rund 2,7 Mio. Frauen und Männer in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten im Produktions- und Dienstleistungsbereich (Abschnitte B-N und P-S der ÖNACE 2008). Der Öffentliche Dienst, die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei sind laut EU-Verordnung ausgenommen. Die Werte für die Jahre zwischen den Erhebungen werden geschätzt.

Ergebnisse im Überblick: Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern
Bruttojahreseinkommen von unselbständig erwerbstätigen Frauen und Männern im Zeitvergleich
Nettojahreseinkommen von unselbständig erwerbstätigen Frauen und Männern im Zeitvergleich

Dekomposition des Gender Pay Gap (2014)
Infografik Frauentag 2020


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