Methodik der Statistik zur Unternehmensdemografie

Datenquellen

Die unternehmensdemografischen Daten wurden aus administrativen Quellen des Unternehmensregisters der Statistik Austria abgeleitet, wobei folgende Datenquellen zugrunde gelegt wurden:

  • Steuergrunddaten und Umsatzsteuerdaten aus den Umsatzsteuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzbehörden und Einkommensteuerdaten
  • Dienstgeberdaten und Beschäftigtendaten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

Als Jahr der Gründung wurde jenes Jahr herangezogen, in dem das Unternehmen zum ersten Mal einen Umsatz über 10.000 Euro oder erstmals mindestens eine(n) unselbständig Beschäftigte(n) hatte (diese Schwelle entspricht jener zur Aufnahme in das Unternehmensregister), umgekehrt wurde das Jahr der Schließung mit jenem Jahr festgelegt, in dem das Unternehmen letztmals über 10.000 Euro Umsatz und letztmals unselbständig Beschäftigte hatte.

Die beiden Datenbestände wurden mittels record linkage miteinander verknüpft. Danach wurde versucht, „falsche“ Neugründungen und Schließungen über den paarweisen Vergleich von Name, wirtschaftlicher Haupttätigkeit und Adresse auszuschließen. Weiters wurde eine Stichprobe von Neugründungen mit weniger als 20 Beschäftigten gezogen - diese wurden manuell anhand des Unternehmensregisters der Statistik Austria geprüft und davon der Anteil echter Neugründungen auf die Gesamtmasse übertragen. Die rund 564 größten (vermeintlichen) Neugründungen mit mehr als 20 Beschäftigten wurden einer vollständigen manuellen Prüfung unterzogen. Es stellte sich heraus, dass 345 (also rund 61,2%) keine echten Neugründungen waren.

Erhebungseinheit und Definitionen

Die Erhebungseinheit der Unternehmensdemografie ist das Unternehmen. Dieses ist definiert als eine rechtliche (organisatorische) Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen und verfügt insbesondere in Bezug auf die ihm zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Das Unternehmen kann seine Tätigkeit(en) an einem oder mehreren Standorten (Arbeitsstätten) ausüben.

Aktivität

Ein Unternehmen gilt dann als wirtschaftlich aktiv, wenn es zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 1.1. und 31.12. eines Berichtsjahres Umsatz (über 10.000 Euro) und/oder Beschäftigte hat, unabhängig davon, ob das Unternehmen das ganze Jahr oder nur Teile davon bestanden hat.

Neugründung eines Unternehmens

Eine echte Neugründung liegt dann vor, wenn nur ein Unternehmen beteiligt ist und eine Kombination von Produktionsfaktoren - insbesondere Beschäftigung - geschaffen wird. Das Unternehmen wird sozusagen „aus dem Nichts“ aufgebaut. Zugänge zum Bestand durch z.B. Fusion, Auflösung oder Umstrukturierung sind keine echten Neugründungen. Auch ein reiner Wechsel der Wirtschaftstätigkeit, der Rechtsform oder des Firmensitzes wird nicht als Neugründung betrachtet. Wenn eine ruhende Einheit innerhalb von zwei Jahren reaktiviert wird, wird dies auch nicht als Neugründung gezählt.

Schließung eines Unternehmens

Von einer echten Unternehmensschließung spricht man, wenn nur ein Unternehmen beteiligt ist und eine Kombination von Produktionsfaktoren wegfällt. Abgänge durch z.B. Fusion, Übernahme, Auflösung oder Umstrukturierung sind keine echten Schließungen. Auch ein reiner Wechsel der Wirtschaftstätigkeit, der Rechtsform oder des Firmensitzes wird nicht als Schließung betrachtet. Ein Unternehmen gilt erst dann als geschlossen, wenn es nicht innerhalb von zwei Jahren reaktiviert worden ist.

Überleben

Ein Unternehmen hat dann überlebt, wenn es im Jahr der Gründung und in den darauffolgenden Jahren wirtschaftlich aktiv ist (im Sinn von Umsatz und/oder Beschäftigung). Ein Unternehmen hat auch dann überlebt, wenn zwar eine rechtliche Einheit des Unternehmens seine Aktivität einstellt, aber die Produktionsfaktoren von einer neuen rechtlichen Einheit (die speziell für diesen Zweck gegründet wurde) übernommen werden.

Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten entspricht der Anzahl aller für die Beobachtungseinheit arbeitenden Personen (Selbständige und unselbständig Beschäftigte).

Darstellungsmerkmale

Die Statistik zur Unternehmensdemografie wird nach Wirtschaftszweigen und Rechtsform, nach Wirtschaftszweigen und Beschäftigtengrößenklasse, nach Wirtschaftsbereichen und Bundesland und bei den Einzelunternehmen nach Wirtschaftsbereichen und Geschlecht ausgewertet und dargestellt.

Wirtschaftszweige (gemäß ÖNACE 2008):

  • B Bergbau
  • C Herstellung von Waren
  • D Energieversorgung
  • E Wasserversorgung und Abfallentsorgung
  • F Bau
  • G Handel
  • H Verkehr
  • I Beherbergung und Gastronomie
  • J Information und Kommunikation
  • K Finanz- und Versicherungsleistungen
  • L Grundstücks- und Wohnungswesen
  • M Freiberufliche/technische Dienstleistungen
  • N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
  • P Erziehung und Unterricht
  • Q Gesundheits- und Sozialwesen
  • R Kunst, Unterhaltung und Erholung
  • S Sonst. Dienstleistungen

Rechtsformen:

  • Einzelunternehmen
  • Kapitalgesellschaften (AG, GmbH)
  • Personengesellschaften und andere Rechtsformen (OEG, KEG etc.)

Beschäftigtengrößenklassen:

  • 0 unselbständig Beschäftigte
  • 1-4 unselbständig Beschäftigte
  • 5-9 unselbständig Beschäftigte
  • 10 oder mehr unselbständig Beschäftigte

Bundesländer:

  • Burgenland
  • Kärnten
  • Niederösterreich
  • Oberösterreich
  • Salzburg
  • Steiermark
  • Tirol
  • Vorarlberg
  • Wien

Geschlecht des Unternehmers:

  • Männlich
  • Weiblich

Die Konzepte und Begriffe der Unternehmensdemografie sind im von Eurostat und der OECD gemeinsam entwickelten Manual on Business Demography Statistics näher beschrieben.

Eine ausführlichere Methodenbeschreibung kann in einem Artikel der Statistischen Nachrichten (PDF, 740KB) nachgelesen werden.