Unternehmensdemografie

Die Statistik zur Unternehmensdemografie umfasst Daten zu aktiven Unternehmen, zu Unternehmensneugründungen, deren Fortbestand, zu Unternehmensschließungen sowie entsprechende Beschäftigungsdaten. Unternehmensdemografische Statistiken spielen als Grundlage für politische Entscheidungen und Analysen eine wichtige Rolle. Von Interesse ist insbesondere auch die Bedeutung neu gegründeter Unternehmen als Impulsgeber für die Wirtschaft durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Abgeleitete Indikatoren wie Neugründungs-, Schließungs- und (bis zu 5-jährige) Überlebensraten sind darüber hinaus Teil der EU-Strukturindikatoren, die zur Verfolgung der Fortschritte im sogenannten Lissabon-Prozess zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung herangezogen werden.

Die Lieferung unternehmensdemografischer Daten ist seit dem Jahr 2009 auf europäischer Ebene verpflichtend. Rechtgrundlage bildet der Anhang IX der EU-Verordnung über die strukturelle Unternehmensstatistik und national für die Bundesländer-Ebene die Unternehmensdemografiestatistik-Verordnung (Neufassung 2019). Gemäß diesen Rechtsgrundlagen sind im Jahr 2020 Daten für das Berichtsjahr 2018 bereitzustellen. Die Daten werden nach Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008) und Rechtsform, nach Wirtschaftsbereichen und Beschäftigtengrößenklasse, nach Wirtschaftsbereichen und Bundesland und bei den Einzelunternehmen nach Wirtschaftsbereichen und Geschlecht dargestellt. Des Weiteren wird eine Auswahl an Daten auch nach Wirtschaftsbereichen und NUTS3 sowie Beschäftigtengrößenklasse und NUTS3 dargestellt.

Ergebnisse für 2018 im Überblick

Im Jahr 2018 wurden 41.087 neue Unternehmen mit 60.833 Beschäftigten (davon 25.604 Unselbständige) gegründet. Gemessen an der Anzahl der aktiven Unternehmen entspricht dies einer Neugründungsrate von 7,4%. Gegenüber dem Berichtsjahr 2017 ist die Gründungsintensität leicht gesunken, die Neugründungsrate betrug hier 7,6%.

Generell war die Neugründungsrate 2018 im Dienstleistungsbereich (ÖNACE 2008 - Abschnitte G-S, ohne 64.2 „Beteiligungsgesellschaften“ und 64.3 „Treuhandfonds“) erwartungsgemäß im Durchschnitt etwas höher (7,7%), während sie im Produzierenden Bereich (Abschnitte B-F) unter dem Durchschnitt (5,7%) lag. Auf Abschnitts-Ebene der ÖNACE 2008 waren hohe Neugründungsanteile in den Wirtschaftsbereichen "Gesundheits- und Sozialwesen" (10,7%; dazu zählen u. a. die Branchen "Hauskrankenpflege", "Pflegeheime" oder "Tagesbetreuung von Kindern"), "Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ (10,4%), „Verkehr“ (10,2%) sowie „Sonstige Dienstleistungen“ (10,2%) zu verzeichnen. Die niedrigsten Neugründungsraten lagen in den Wirtschaftsbereichen " Wasserversorgung und Abfallentsorgung" (2,0%), " Energieversorgung" (3,3%) sowie "Bergbau" (3,5%).

Was den Fortbestand der Neugründungen betrifft, so sinken die Überlebensraten einer Gründungskohorte von einem Jahr auf das nächste: Von den im Jahr 2013 neu gegründeten Unternehmen waren ein Jahr später noch 81,0% am Markt tätig. Die Zweijahresüberlebensrate (von 2013 auf 2015) betrug 71,4%; nach drei Jahren waren 66,7% und nach vier Jahren 61,9% dieser Unternehmenskohorte aktiv. Die Fünfjahresüberlebensrate beträgt nur mehr 57,1%. Nach Wirtschaftsbereichen betrachtet waren die höchsten Fünfjahresüberlebensraten in den Bereichen Energieversorgung (72,9%), Wasserversorgung und Abfallentsorgung (68,3%), im Grundstücks- und Wohnungswesen (66,0%), sowie im Bereich Herstellung von Waren (64,4%) zu verzeichnen.

Im Berichtszeitraum 2018 wurden insgesamt 32.006 Unternehmen mit 50.970 Beschäftigten geschlossen, was einer Schließungsrate von 5,8% entspricht. Die Schließungsrate ist im Vergleich zum Vorjahr (2017: 6,6%) gesunken.

Im Dienstleistungsbereich (ÖNACE 2008 - Abschnitte G-S, ohne 64.2 „Beteiligungsgesellschaften“ und 64.3 „Treuhandfonds“) war die Schließungsrate höher (6,1%) als im Produzierenden Bereich (Abschnitte B-F: 4,0%). Überdurchschnittlich hohe Schließungsraten ergaben sich 2018 z.B. in den Bereichen „Gesundheits- und Sozialwesen“ (9,6%) „Verkehr“ (7,2%), „Sonst. wirtschaftl. Dienstleistungen“ (7,1%) und „Beherbergung und Gastronomie“ (6,5%). Unterdurchschnittlich waren die Schließungsraten hingegen z.B. in den Bereichen „Wasserversorgung und Abfallentsorgung“ (2,1%), „Energieversorgung“ (2,3%) oder „Grundstücks- und Wohnungswesen“ (3,1%).

Neu gegründete Unternehmen schufen 2018 durchschnittlich 1,5 Arbeitsplätze (Beschäftigte pro Neugründung); fast genauso viele (1,6) Arbeitsplätze gingen bei einer Unternehmensschließung verloren. Die meisten Arbeitsplätze bei neuen Unternehmen entstanden in den Bereichen „Beherbergung und Gastronomie“ (10.384), „Gesundheits- und Sozialwesen“ (9.703), und „Handel“ (8.412).

Entwicklung im Zeitverlauf (2007 bis 2018)

Im Zeitverlauf zeigt sich, dass die Anzahl der Neugründungen von 2007 auf 2018 um insgesamt 4,9% anstieg. Der starke Anstieg der Neugründungen im Jahr 2008 ist hauptsächlich auf die geänderte rechtliche Lage für die 24h-Personenbetreuung im Abschnitt Q „Gesundheits- und Sozialwesen“ und den damit verbundenen sprungartigen Anstieg von Gewerbeanmeldungen in diesem Bereich zurückzuführen. Die Zahlen für die Schließungen lagen in den Jahren des zehnjährigen Betrachtungszeitraums immer unter den Neugründungen.

Hinweis zur Methodik

Die Schließungszahlen der jeweils letzten beiden Berichtsjahre (hier: 2017 und 2018) sowie die Neugründungs-, Bestands- und Überlebenszahlen des aktuellsten Berichtsjahres (hier: 2018) werden bedingt durch die relativ späte zeitliche Verfügbarkeit der zugrundeliegenden Verwaltungsdatenquellen und den damit verbundenen Verzögerungen als vorläufig ausgewiesen.

Seit der Erstellung der Statistik für das Berichtsjahr 2013 erfolgen laufend Konsistenzanpassungen zur Annäherung der Daten an die Leistungs- und Strukturstatistik.

Seit 2015 gelangt eine überarbeitete, verbesserte Methode zur Erstellung der Unternehmensdemografie-Statistik zur Anwendung. Wesentliche Änderung war die nunmehrige Möglichkeit der Miterfassung kleiner und kleinster Unternehmen durch den Wegfall der Umsatzgrenze. Die Daten wurden bis einschließlich 2007 mit der neuen Methode rückgerechnet. 
 
Weiterführende Hinweise zur Methodik der Datensammlung

Informationen und Ergebnisse zur Arbeitgeberunternehmensdemografie (ab 2015)

Experimentelle Statistik: Unternehmensinsolvenzen

Die Verordnung (EU) 2019/2152 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über europäische Unternehmensstatistiken verpflichtet Statistik Austria, ab dem ersten Quartal 2021 laufend quartalsweise Daten über Insolvenzen von Unternehmen zu erstellen. Aufgrund der Corona-Krise hat sich Statistik Austria entschlossen, Ergebnisse bereits ab dem Berichtsjahr 2019 zu erstellen und vorläufige Daten zu publizieren.

Laut vorläufigen Zahlen von Statistik Austria wurden im 1. Halbjahr 1.998 Unternehmen insolvent, um 23% weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die meisten davon im 1. Quartal (1.164). Im 2. Quartal hatten bis dahin nur 834 Unternehmen erstmals ein Insolvenzverfahren angemeldet. Für das 1. Halbjahr 2019 liegt die Gesamtsumme der Insolvenzen mit 2.585 deutlich höher. Im 1. Quartal 2019 wurden 1.273 Unternehmen und im 2. Quartal 2019 1.312 Unternehmen insolvent (siehe Tabellen 1 und 2).

Dieser Rückgang spiegelt allerdings nicht die aktuelle wirtschaftliche Situation wieder - sondern hat zu einem wesentlichen Teil ihren Ursprung in der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in der derzeitigen Corona-Pandemie. Die Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung wurde vorerst für den Zeitraum März 2020 bis Jänner 2021 ausgesetzt.

Ergebnisse nach Quartalen und ÖNACE

Die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2020 zeigen, dass Wirtschaftsbereiche mit den meisten Insolvenzen "Finanzdienstleistungen/sonstige Dienstleistungen" (438), "Handel" (368), "Bau" (359) und "Beherbergung und Gastronomie " (343) sind - die Anzahl der Insolvenzen ist allerdings von der Anzahl der in den einzelnen Wirtschaftsbereichen aktiven Unternehmen abhängig. Eine vergleichsweise geringe Anzahl an Insolvenzen weisen die Bereiche "Information und Kommunikation" (58), "Persönliche Dienstleistungen" (103) und "Sachgüterbereich" (123) auf.

Tabelle 1: Insolvenzen 1. Quartal 2020 bis 2. Quartal 2020 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig

Grafik 6

Für das Berichtsjahr 2019 zeigt sich eine ähnliche Verteilung der Insolvenzen auf die Wirtschaftsbereiche. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Wirtschaftsbereiche mit den meisten Insolvenzen im ersten Halbjahr ebenfalls in den Bereichen „Finanzdienstleistungen/sonstige Dienstleistungen" (520), "Handel" (509), „Bau" (497) und "Beherbergung und Gastronomie" (460) zu finden sind. Es entfallen 76,8 Prozent der Insolvenzen auf diese vier Bereiche. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 2019 5.067 Unternehmen insolvent.

Tabelle 2: Insolvenzen 1. Quartal 2019 bis 4. Quartal 2019 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig

Grafik 3

Methodik der Datensammlung

Die Daten zu den Insolvenzen basieren auf den gerichtlichen Insolvenzverfahren. Gezählt wird die Einleitung eines Insolvenzverfahrens einer rechtlichen Einheit gemäß Insolvenzordnung – IO, BGBl. I Nr. 114/1997. Diese Insolvenzverfahren sind: Konkursverfahren, Konkurseröffnungsverfahren, Sanierungsverfahren mit und ohne Eigenverwaltung.

Die Erstellung der Statistik erfolgt mehrstufig.

  1. Hauptdatenquelle ist die Justiz-Ediktsdatei. Die dort erfassten Daten werden Statistik Austria vom Bundesministerium für Justiz zur Verfügung gestellt,
  2. in das statistische Unternehmensregister (URS) und das Verwaltungsregister (URV) eingelagert und
  3. mit Merkmalen angereichert.
  4. Verfahrenswechsel werden nicht gezählt, d.h. es kommt zu keinen Doppelzählungen von rechtlichen Einheiten bei einem Verfahrenswechsel.
  5. Die Statistik wird quartalsweise ab dem Berichtsjahr 2019 erstellt und nach aggregierten Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008) ausgewertet.
  6. Für Einheiten, für die keine ÖNACE vorhanden ist, erfolgt eine Schätzung aufgrund der verfügbaren Verteilung der Insolvenzen nach Wirtschaftsbereichen.

Hinweise: In Österreich gibt es vergleichbare Insolvenzzahlen u.a. vom Kreditschutzverband von 1870. Obwohl die verwendete Datenquelle ident ist, gibt es geringfügige Abweichungen zu den von Statistik Austria veröffentlichten Zahlen. Ursachen sind u.a. abweichende Erfassungsbereiche oder die Zuordnung der Einheiten zu den Wirtschaftsbereichen nach ÖNACE 2008.

Ergebnisse im Überblick: Statistik zur Unternehmensdemografie 2007 bis 2018 nach Wirtschaftsbereichen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Untergliederung nach einer Auswahl an Wirtschaftsbereichen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2007 bis 2018: Hauptergebnisse nach Rechtsformen (gruppiert)
Statistik zur Unternehmensdemografie 2007 bis 2018: Hauptergebnisse nach Beschäftigtengrößenklassen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2007 bis 2018: Hauptergebnisse nach Bundesländern
Statistik zur Unternehmensdemografie 2007 bis 2018: Hauptergebnisse nach Geschlecht (bei Einzelunternehmen)
Statistik zur Unternehmensdemografie 2007 bis 2018: Hauptergebnisse nach NUTS3-Regionen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018 nach NUTS3-Regionen und Wirtschaftsbereichen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018 nach NUTS3-Regionen und Beschäftigtengrößenklassen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Überlebensraten von 2013 neu gegründeten Unternehmen nach Wirtschaftsbereichen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Überlebensraten von 2014 neu gegründeten Unternehmen nach Wirtschaftsbereichen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Überlebensraten von 2015 neu gegründeten Unternehmen nach Wirtschaftsbereichen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Überlebensraten von 2016 neu gegründeten Unternehmen nach Wirtschaftsbereichen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018 nach Wirtschaftsbereichen, Erfassungsbereich Leistungs- und Strukturstatistik (LS)
Statistik zur Unternehmensdemografie 2011 bis 2018: Hauptergebnisse nach Umsatzsteuerklassen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Überlebensraten von 2013 neu gegründeten Unternehmen nach Umsatzsteuerklassen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Wissens- und forschungsintensive Neugründungen nach Beschäftigtengrößenklassen
Statistik zur Unternehmensdemografie 2018: Wissens- und forschungsintensive Neugründungen nach Rechtsformen (gruppiert)

Neugründungs- und Schließungsraten 2018 nach Wirtschaftsbereichen
Neugründungs- und Schließungsraten 2018 nach NUTS3
Beschäftigte pro Neugründung sowie Schließung 2018 nach NUTS3
Neugründungen 2007-2018 nach NUTS3
Neugründungs- und Schließungsraten 2018 nach Bundesländern
Beschäftigte 2018 pro neugegründetem bzw. geschlossenem Unternehmen
Neugründungen 2007 bis 2018 nach Wirtschaftsbereichen
Infografik Insolvenzen 1. Halbjahr 2020


Unternehmensdemografie (ab 2015)Preis in € *)Kostenloser Download

 
 

Registerbasierte Statistiken 2018 - Unternehmensdemografie – Gründungsland Österreich, SB 10.40

Erscheinungsdatum: 03/2018

 
 

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Registerbasierte Statistiken - High-growth Enterprises - Schnellwachsende Unternehmen in Österreich

Erscheinungsdatum: 03/2019

 
 

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