Pressemitteilung: 12.382-222/20

Wirtschaft wächst im 3. Quartal 2020 um 12% gegenüber Vorquartal

Wien, 2020-11-30 – Das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs in den Monaten Juli bis September 2020 gegenüber April bis Juni real um 12,0% (saison- und arbeitstagbereinigt). Wie Statistik Austria weiter berichtet, wurde im Vergleich zum 3. Quartal 2019 ein realer Rückgang von 4,0% verzeichnet.

"Nach dem coronabedingten historischen Einbruch der österreichischen Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2020 gab es im Sommer einen wirtschaftlichen Rebound in nahezu allen Branchen, im privaten Konsum, bei den Investitionen und im Außenhandel. Dennoch lag das 3. Quartal noch immer 4,0% unter dem Vorjahresniveau und auch der erneute Lockdown wird tiefgreifende wirtschaftliche Folgen haben", so Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria. Die Ergebnisse sind aufgrund der außergewöhnlichen Rahmenbedingungen allerdings nach wie vor mit großer Unsicherheit behaftet.

Aufholeffekte im Konsum, bei den Investitionen und im Außenhandel

Der Konsum der privaten Haushalte wies real im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal mit +13,3% wieder ein kräftiges Wachstum auf. Der Rückgang von 5,1% zum Vorjahresquartal lässt sich vor allem auf den nach wie vor schwächeren Konsum von Dienstleistungen zurückführen. Ein substanzieller Nachholeffekt lässt sich demgegenüber bei der Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern – darunter vor allem Einrichtungsgegenstände und Möbel – feststellen (+7,7% real im Vergleich zum Vorjahresquartal). 

Die realen Investitionen stiegen im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 7,9% (-0,7% zum Vorjahresquartal) und konnten damit einen Großteil der Rückgänge des 1. Halbjahres 2020 wieder aufholen. Der Trend nach oben zeigte sich in allen Investitionskategorien, wobei die Investitionen in Maschinen (+14,0% real zum Vorquartal, -3,7% real zum Vorjahresquartal) und Fahrzeuge (+17,5% real zum Vorquartal, +6,4% real zum Vorjahresquartal) die höchsten Wachstumsraten aufwiesen.

Die auch international entspanntere Corona-Situtation im Sommer schlug sich auch in den Außenhandelsdaten nieder: Die realen Exporte stiegen im 3. Quartal um 16,1% gegenüber dem 2. Quartal, die realen Importe stiegen im selben Zeitraum um 12,1%. Der noch immer relativ große reale Rückgang der Exporte (-8,6%) und Importe (-9,1%) im Vergleich zum Vorjahresquartal lässt sich durch den verhaltenen grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr (insbesondere Reiseverkehr) erklären.

Wachstumsschub im Dienstleistungsbereich

Die Erholungseffekte während der Sommermonate zogen sich durch nahezu alle Wirtschaftsbereiche. Die vom Lockdown im 1. Halbjahr 2020 besonders stark betroffenen Wirtschaftsbereiche Handel, Verkehr sowie Beherbergung und Gastronomie verzeichneten im 3. Quartal ein kräftiges reales Plus von 32,9% zum Vorquartal (-4,5% zum Vorjahresquartal). Ähnliches gilt für die Kultur- und Unterhaltungsbranche sowie für die persönlichen Dienstleistungen, die zusammen einen realen Zuwachs um 39,2% zum Vorquartal aufwiesen, jedoch noch nicht an das Vorkrisenniveau heranreichen konnten (-7,7% real zum Vorjahresquartal).

Im produzierenden Bereich wuchs die Herstellung von Waren real um 15,7% gegenüber dem Vorquartal (-4,0% gegenüber dem Vorjahresquartal). Im Bau kehrte man mit einer realen Wachstumsrate von 0,2% im Jahresabstand zum Vorkrisenniveau zurück (+10,1% zum Vorquartal).

Die von den COVID-Maßnahmen des 1. Halbjahrs vergleichsweise weniger beeinträchtigen Bereiche Wohnungswesen, Gesundheitswesen und öffentliche Verwaltung wiesen eine weiterhin stabile reale Entwicklung auf (Wohnungswesen: -0,4% zum Vorquartal bzw. +1,5% zum Vorjahresquartal; Gesundheitswesen und Öffentliche Verwaltung: +0,5% zum Vorquartal bzw. +0,6% zum Vorjahresquartal).

Leichte Stabilisierung am Arbeitsmarkt

Die allgemeine Stabilisierung der Wirtschaftslage in den Monaten Juni bis September machte sich auch am Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Beschäftigtenzahlen stiegen im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 3,5%. Damit lagen sie leicht unterhalb des Vergleichswerts aus dem 3. Quartal 2019 (-1,3% zum Vorjahresquartal). Die geleisteten Arbeitsstunden verzeichneten ein kräftiges Plus von 14,1% im Vergleich zum 2. Quartal 2020. Sie fielen um 3,4% gegenüber dem 3. Quartal 2019 zurück.

Die Summe der Löhne und Gehälter stieg im 3. Quartal um 5,5% (nominell, bereinigt) gegenüber dem Vorquartal. Das entspricht einem Rückgang von 1,3% im Vergleich zum 3. Quartal des Vorjahres.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik: Die nach dem standardisierten Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) erstellten Berechnungen entsprechen der mit EU-Verordnung für alle Mitgliedsländer festgelegten Verpflichtung, Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) innerhalb der Europäischen Union nach einheitlichen Konzepten und Methoden zu erstellen.  
Vergleiche zum Vorquartal basieren auf saison- und arbeitstagbereinigten Daten.

Tabelle 1: Veränderungsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real
 201820192020
 Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3
BIP
% zum Vorquartal, bereinigt1,20,40,20,90,8-0,30,3-0,5-2,8 -11,6 12,0
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt2,72,52,13,02,21,41,70,4-3,4 -14,1 -4,0

 

Tabelle 2: Veränderungsraten ausgewählter Verwendungsaggregate, real
 201820192020
 Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3
Konsum
% zum Vorquartal, bereinigt1,30,0-0,60,71,3-0,50,0-0,5-3,3 -7,9 9,1
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt1,21,80,11,41,10,81,60,6-3,5 -11,6 -3,5
Konsum privater Haushalte
% zum Vorquartal, bereinigt1,7-0,6-0,40,41,5-0,6-0,4-0,4-4,7 -11,4 13,3
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt1,51,5-0,21,20,41,11,20,5-5,0 -16,3 -5,1
Bruttoanlageinvestitionen
% zum Vorquartal, bereinigt0,62,8-1,02,62,30,7-1,2-2,1-0,2 -7,2 7,9
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt3,14,72,55,07,64,54,70,0-3,4 -12,7 -0,7
Exporte von Waren und Dienstleistungen
% zum Vorquartal, bereinigt0,42,9-0,81,22,7-1,40,3-0,2-4,2 -18,4 16,1
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt6,05,75,25,34,42,42,62,2-4,4 -22,1 -8,6
Importe von Waren und Dienstleistungen
% zum Vorquartal, bereinigt1,31,2-0,23,22,2-1,1-1,7-2,30,1 -17,4 12,1
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt4,74,64,26,55,74,92,2-2,6-5,1 -21,3 -9,1

 

Tabelle 3: Veränderungsraten ausgewählter Wirtschaftsbereiche, real
 201820192020
 Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
% zum Vorquartal, bereinigt0,9-2,31,10,6-2,02,4-2,0-0,8-0,6 -1,5 -1,5
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt7,24,42,30,4-2,82,3-1,1-2,4-1,0 -4,5 -4,8
Produzierender Bereich
% zum Vorquartal, bereinigt1,50,81,32,30,2-0,9-0,8-1,9-1,1 -13,9 14,6
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt3,54,94,56,75,01,90,9-3,4-5,2 -17,3 -3,3
Bau
% zum Vorquartal, bereinigt0,00,80,41,00,60,70,70,80,0 -9,3 10,1
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt1,41,41,72,42,52,52,82,82,0 -8,3 0,2
Handel, Verkehr, Gastronomie und Beherbergung
% zum Vorquartal, bereinigt1,40,1-0,51,10,4-0,41,4-1,0-8,1 -21,2 32,9
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt3,31,01,42,70,31,02,80,7-8,1 -26,7 -4,5
Öffentliche Verwaltung
% zum Vorquartal, bereinigt0,10,40,10,10,30,30,00,10,3 -0,4 0,5
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt0,81,00,70,80,90,40,50,70,7 -0,4 0,6

 

Tabelle 4: Veränderungsraten ausgewählter Verteilungsaggregate und Beschäftigtenkennzahlen
 201820192020
 Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3
Arbeitnehmerentgelt (nominell)
% zum Vorquartal, bereinigt1,31,51,00,31,71,10,31,3-0,4 -7,3 5,5
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt5,55,75,43,94,74,13,34,62,4 -6,5 -1,3
Bruttobetriebsüberschuss (nominell)
% zum Vorquartal, bereinigt3,7-2,31,23,6-0,6-0,61,7-2,0-3,0 -1,1 6,0
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt6,01,12,37,61,52,94,3-1,3-4,4 -3,0 0,3
Beschäftigungsverhältnisse
% zum Vorquartal, bereinigt0,40,60,30,40,40,30,10,3-0,4 -4,5 3,5
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt2,01,91,71,71,81,31,11,10,3 -4,4 -1,3
Geleistete Arbeitsstunden
% zum Vorquartal, bereinigt0,11,30,10,21,5-0,7-0,30,7-4,2 -12,6 14,1
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt-0,22,72,92,53,00,61,21,9-5,2 -16,0 -3,4

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
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