Pressemitteilung: 12.675-266/21

Austrian Recovery Barometer: Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2021 erstmals über Vorkrisenniveau

Wien, 2021-12-02 – Der starke Aufholprozess der Wirtschaftsleistung nach dem Ende des dritten Lockdowns setzte sich auch im 3. Quartal 2021 fort. Laut vorläufigen Berechnungen von Statistik Austria stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum 3. Quartal 2020 um 5,7%. Im Vergleich zum 2. Quartal 2021 lag der Anstieg bei 3,8% (saison- und arbeitstagbereinigt).

"Der wirtschaftliche Aufschwung Österreichs hat sich im 3. Quartal fortgesetzt. Nach den ersten beiden Wachstumsquartalen seit Beginn der Corona-Krise stieg das Bruttoinlandsprodukt erstmals über Vorkrisenniveau. Etliche Bereiche der Wirtschaft haben die Krise damit hinter sich gelassen, so etwa Handel, Industrie und Bau. Auch in der besonders hart getroffenen Beherbergung und Gastronomie konnte im 3. Quartal bereits 88,5% des Vorkrisenniveaus erwirtschaftet werden. Der jetzige Lockdown stellt den Aufschwung abermals auf eine Belastungsprobe. Mit einer nachhaltigen Eindämmung der Pandemie steht einer Fortsetzung des wirtschaftlichen Erholungskurses allerdings nichts in Wege," so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas im Rahmen der dritten "Austrian Recovery Barometer"-Pressekonferenz.

Wirtschaftliche Erholung setzt sich im 3. Quartal 2021 fort

Nach dem kräftigen Wachstum im 2. Quartal 2021 (Q2 2021: +13,0%) verzeichnete die österreichische Wirtschaft im 3. Quartal erneut einen deutlichen Anstieg. Das Bruttoinlandsprodukt ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,7% gewachsen. Die wirtschaftliche Erholung steht auf breiter Basis: Nahezu alle Wirtschaftsbereiche konnten ihren Wachstumspfad fortsetzen, darunter vor allem die wirtschaftsnahen Dienstleistungen (+10,3% real zum Vorjahresquartal), die Industrieproduktion (+7,2% real zum Vorjahresquartal) sowie Handel, Verkehr und Gastronomie (+7,0% real zum Vorjahresquartal). Damit lag die Wirtschaftsleistung in Österreich mit 101,1% bereits über dem Vorkrisenniveau (verglichen mit dem 3. Quartal 2019).

Konjunktur-Frühschätzung für Industrie und Bau trotz Lieferengpässen und Rohstoffknappheit über Vorkrisenniveau

Die positive Entwicklung der Umsätze zeigt sich in der Frühschätzung für Oktober 2021 sowohl für die Industrie (+16,4% im Vergleich zum Vorjahr) als auch etwas gebremst für den Baubereich (+2,0%). Trotz Lieferengpässen und Rohstoffknappheit liegt der Umsatzindex für Industrie und Bau im Oktober 2021 11,1% über dem Vorkrisenniveau vom Oktober 2019.

Tourismus-Sommersaison 2021 über Vorjahresniveau, aber unter dem Rekordsommer 2019

Die touristische Sommersaison (Mai bis Oktober 2021) erreichte 66,37 Mio. Nächtigungen und ist damit um beinahe ein Viertel (+23,3%) über dem Ergebnis derselben Vorjahresperiode. Die Nächtigungen liegen um 16,0% unter dem bisherigen Höchstniveau (79,0 Mio.) des entsprechenden Vorkrisenzeitraums 2019. Die Zahl der Nächtigungen ausländischer Gäste belief sich auf 42,32 Mio., um ein Drittel mehr als 2020 (+33,8%), aber um ein Viertel weniger (-24,0%) als im Sommer 2019. Die inländischen Gäste nächtigten um 8,3% häufiger als noch im Sommer 2020 und liegen mit 24,05 Mio. Nächtigungen auch über dem Vorkrisensommer 2019 (+3,2%). Die Nächtigungen inländischer Gäste überschritten erstmals die 24-Millionen-Marke.

 

Vor dem vierten Lockdown deutliche Entspannung am Arbeitsmarkt; offene Stellen auf Höchstwert; Langzeitarbeitslosigkeit trotz positiver Entwicklung weiterhin hoch

Die Beschäftigtenverhältnisse sind laut Dachverband der Sozialversicherungsträger im Oktober 2021 um rund 2,9% gegenüber dem Vorjahresmonat (Oktober 2020) gestiegen. Die Beschäftigung im Oktober 2021 liegt damit leicht über dem Vorkrisenniveau (+1,7% im Vergleich zu Oktober 2019). Eine Auswirkung des vierten Lockdowns auf den Arbeitsmarkt ist zu erwarten.

Erste geringe Effekte zeigen sich bereits bei den aktuellen Arbeitslosenzahlen: Im Oktober 2021 waren insgesamt 269.500 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitssuchend vorgemerkt und damit um rund 6,4% weniger als im Vorkrisenmonat Oktober 2019. Im November 2021 ist der Vergleich zum Vorkrisenmonat zwar noch immer positiv, aber geringer ausgeprägt: Hier waren 289.300 Personen arbeitssuchend vorgemerkt und damit um 3,4% weniger als im November 2019. Zudem waren im November knapp 74.200 Personen in Schulungen des AMS. Die nationale Arbeitslosenquote lag im November 2021 bei 7,0% und damit um 0,3 Prozentpunkte unter dem Wert vom November 2019.

Die offenen Stellen erreichten im 3. Quartal 2021 mit insgesamt 162.400 Stellen ihren Höchststand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2009. Besonders im produzierenden Bereich (ÖNACE B-F) und im Dienstleistungsbereich (ÖNACE G-N) konnten im Vergleich zum Vorkrisenniveau (3. Quartal 2019) mit +43,2% bzw. +25,4% sehr starke Zuwächse verzeichnet werden.

Weiterhin bestehen am Arbeitsmarkt besondere Herausforderungen bezüglich der Langzeitarbeitslosigkeit: Im November 2021 ist die Zahl der Personen mit einer seit mind. zwölf Monaten durchgehend bestehenden AMS-Vormerkung im Vergleich zum Vorkrisenniveau (November 2019) um 33,0% erhöht. Auch wenn seit Sommerbeginn erste positive Tendenzen zu erkennen sind, ist die Langzeitarbeitslosigkeit damit nach wie vor hoch.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite. Die Präsentation zum Pressegespräch vom 2.12.2021 ist als PDF (1,16 MB) verfügbar. Eine Aufzeichnung des Pressegesprächs steht auf YouTube zur Verfügung.

Information: Vierteljährlich betrachtet Statistik Austria die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs auf dem Weg aus der Corona-Krise. Zentrale Größe ist das Barometer, das für verschiedene Indikatoren (z. B. BIP, Beschäftigung, Tourismus, Außenhandel) anzeigt, in welchem Ausmaß das Vorkrisenniveau erreicht ist (verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2019).

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